Ist der Verkauf bei Amazon gewerblich? / Amazon Rechtsformen

Oguzhan Sariyildiz 21 Nov 2018 6 min Lesezeit

Wie lange gilt man als privater Verkäufer und wann muss man sich als gewerblicher Amazon Verkäufer anmelden? Ist man dann automatisch ein professioneller Verkäufer?
Was ist der Unterschied zwischen einem Einzelanbieter und einem Einzelunternehmer? Und wenn man bei Amazon gewerblich verkauft – welche Rechtsform empfiehlt sich?

In unserem heutigen Artikel klären wir diese Begriffe und gehen auch auf die Frage nach der Rechtsform ein: „Wer ist wer bei Amazon?“ und „Als was sollte ich auftreten?“.

Einzelanbieter vs. professioneller Verkäufer

Für jeden Artikel, den Sie über Amazon verkaufen, müssen Sie dem Unternehmen eine Gebühr entrichten. Je nach Verkaufsvolumen gibt es hier zwei Preismodelle: das Basiskonto und das professionelle Anbieterkonto.

Das Basiskonto ist für Einzelanbieter gedacht, die weniger als 40 Artikel im Monat verkaufen. Die Abrechnung erfolgt pro verkauftem Artikel, das heißt, Sie zahlen nur, wenn Sie etwas verkaufen.
Bei dem professionellen Anbieterkonto entfällt die monatliche Mengenbegrenzung auf 40 Artikel. Bei diesem Preismodell erhebt Amazon jedoch eine monatliche Pauschale, die „Abonnementgebühr“.
Beachten Sie, dass es sich in beiden Fällen um Grundgebühren handelt. Je nach Produktart kommen noch kategorieabhängige Verkaufsgebühren hinzu.

Die beiden Begriffe „Einzelanbieter“ und „Profi-Anbieter“ sagen zuerst einmal nichts darüber aus, ob Sie privat oder gewerblich verkaufen. Theoretisch können Sie auch mit einem Einzelanbieter-Konto bei Amazon gewerblich verkaufen – und umgekehrt.

Welches sind also die Kriterien dafür, ob Sie als Gewerbetreibender gelten oder als Privatverkäufer?

Bei Amazon verkaufen – gewerblich oder privat?

Wie lange zählen Sie als privater Verkäufer und ab welchem Zeitpunkt ist der Verkauf bei Amazon gewerblich? Klären wir dafür zuerst die Frage, was man unter einem Gewerbe versteht.

Was ist ein Gewerbe?

Antworten liefert §15 Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG)
(2) Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.

Die Kriterien sind also Selbständigkeit, Nachhaltigkeit, Gewinnerzielungsabsicht und die Beteiligung am Wirtschaftsverkehr.

Selbständigkeit

Woran erkennt man einen Selbständigen? Zuerst einmal sind Selbständige nicht weisungsgebunden. Das heißt, sie bestimmen ihre Arbeitszeit selbst und können ihre Tätigkeit im wesentliche frei gestalten. Außerdem profitieren sie vom Erfolg des Unternehmens, tragen aber auch die Risiken.

Gewinnerzielungsabsicht

Achtung Stolperfalle – dieser Punkt wird oft missverstanden!
Die Absicht, einen Gewinn zu erzielen haben Sie dann, wenn Sie mehr erwirtschaften wollen als das, was zur Deckung der Kosten erforderlich ist. Viele potenzielle Amazon Verkäufer gehen davon aus, dass sie kein Gewerbe haben, solange sie keine, oder nur sehr geringe Einnahmen erzielen. Das Finanzamt sieht das jedoch ganz anders: Es ist unerheblich, ob Sie tatsächlich Umsatz machen oder einen Gewinn erwirtschaften. Die Höhe Ihrer Einnahmen spielt keine Rolle – es ist die reine Absicht, die zählt.

Nachhaltigkeit

Hierbei sind die Dauerhaftigkeit und die Wiederholungsabsicht der Tätigkeit gemeint. Das bedeutet, dass Sie nicht nur gelegentlich, sondern planmäßig verkaufen, im Fachjargon „mit Wiederholungs- oder Fortsetzungsabsicht“. Der Fall liegt bereits vor, wenn Sie nur in der Saison aktiv werden.

Beteiligung am Wirtschaftsverkehr

Darunter versteht man beispielsweise das Versenden von Waren.

Wenn ich nur meine Büchersammlung auflöse, zähle ich da schon als gewerblicher Amazon Verkäufer?

Der einmalige Verkauf gebrauchter Gegenstände ohne Gewinnabsicht zählt zur Liebhaberei und grenzt sich von dem gewerblichen Verkauf ab. „Schön,“ denken Sie sich, „da kann ich ja meine recht groß gewordene Briefmarken-, Bücher-, Platten- und Videosammlung auflösen. Vielleicht bekomme ich so wenigstens die Unkosten wieder zurück oder betreibe zumindest Verlustminimierung.“ So einfach ist es aber nicht, denn in der Praxis kann Sie das Finanzamt trotzdem als Unternehmer einstufen, vor allem, wenn es sich um viele Artikel handelt, die Sie über einen längeren Zeitraum anbieten. Wenn Ihre Sammlung umfangreich ist, wird sich der Verkauf mit Sicherheit über mehrere Monate hinziehen. Es kann also sehr schnell geschehen, dass Sie liebe Post vom Finanzamt bekommen. Die Grenzen zwischen privater und gewerblicher Tätigkeit sind fließend!

Um zu beurteilen, ob Sie bei Amazon gewerblich verkaufen oder privat, untersuchen die Gerichte verschiedene Indizien:

  • Sie bieten wiederholt gleiche Waren an.
  • Sie bieten wiederholt Neuwaren an.
  • Sie biete neuwertige Markenartikel an.
  • Sie bieten eine hohe Anzahl von Artikeln innerhalb eines kurzen Zeitraumes an.
  • Sie erhalten viele Kundenbewertungen.

Bei Amazon gewerblich verkaufen: Die Folgen

Wenn Sie bei Amazon gewerblich verkaufen wollen, sind die Folgen weitreichend: siehe Art. 246 a EGBGB sowie § 312 d BGB.

So sind Sie verpflichtet

  1. über ein Widerrufsrecht zu informieren
  2. ein ausreichendes Impressum vorzuweisen
  3. Ihren Informationspflichten aus dem Fernabsatzrecht nachkommen
  4. Gewährleistung zu bieten.

Fazit

Bietet ein Verkäufer viele Artikel an, ist das nicht zwangsläufig ein gewerblicher Verkauf – jedoch liegt der Verdacht sehr nahe. Vor allem, wenn Sie Artikel aus dem gleichen Segment anbieten.
Auch wenn Sie nur Ihre Privatsammlungen auflösen wollen, sollten Sie sich vorher mit Ihrem Finanzamt in Verbindung setzen und sich den privaten Verkauf bestätigen lassen.

Amazon – welche Rechtsform ist die beste?

Nun haben wir uns die Frage „Amazon Gewerbe anmelden – ja oder nein“ angesehen.
Nehmen wir an, Sie haben sich entschieden, gewerblicher Amazon Verkäufer zu werden. Jetzt steht als Nächstes die Frage nach der passenden Rechtsform im Raum.

Da diese Entscheidung jedoch weitreichende steuerliche und rechtliche Auswirkungen hat und viele individuelle Faktoren zu berücksichtigen sind, sollten Sie sich mit Ihrem Steuerberater, gegebenenfalls auch mit einem Fachanwalt beraten. Natürlich können Sie die Rechtsform Ihres Unternehmens später ändern, jedoch bereitet genau das den meisten Amazon FBA Verkäufern Schwierigkeiten.

Beispielsweise kann die Gründung einer GbR Probleme bereiten, da sich bei Ausweitung der Geschäftstätigkeit unter Umständen eine Pflicht zur Eintragung ins Handelsregister ergibt. Dann entsteht entweder eine OHG oder eine KG.
Eine GbR kann jederzeit durch Eintragung in das Handelsregister die Rechtsform einer OHG annehmen, jedoch führt die Änderung der Rechtsform bei Amazon häufig zu Problemen. Eine Änderung der Amazon Rechtsform zieht eine erneute Verifikation nach sich. Das ist zeitaufwendig und bis die Verifikation geklärt ist, können Sie erst einmal nichts verkaufen.

Einige Aspekte, die bei der Entscheidung über Ihre Amazon FBA Rechtsform eine Rolle spielen

Die Rechtsformen von Unternehmen in Deutschland unterteilen sich in

  • Einzelunternehmen
  • Personengesellschaften: GbR, KG, OHG
  • Kapitalgesellschaften: GmbH, UG, AG, Ltd.
  • Mischform zwischen Personen- und Kapitalgesellschaft: GmbH & Co. KG

Während bei Personengesellschaften mindestens ein Gesellschafter im voll persönlichen Umfang haftet, haften die Gesellschafter von Kapitalgesellschaften lediglich mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die Privathaftung ist der größte Nachteil bei einem Einzelunternehmen und bei Personengesellschaften.

Ein anderer Aspekt ist der bürokratische Aufwand, den Sie für Ihre Amazon FBA Unternehmung betreiben müssen. Die OHG, die KG und die Kapitalgesellschaften sind in das Handelsregister einzutragen. Sie werden nach kaufmännischen Grundsätzen geführt, was verschiedene Verpflichtungen nach sich zieht: Die Pflicht zu Inventuren, zur Aufstellung von Bilanzen und zur Führung von Handelsbüchern.

Weiterhin werden Sie für Ihr Amazon FBA Steuern berücksichtigen müssen, die sich je nach Rechtsform unterscheiden. So gilt bei der Gewerbesteuer für Einzelunternehmen und Personengesellschaften wie OHGs und KGs ein Freibetrag auf den Gewinn von bis zu 24.500 Euro, bei den anderen Rechtsformen hingegen nicht.

Bevor Sie mit Ihrem Steuerberater oder Ihrem Anwalt die Details regeln, empfehlen wir die Industrie- und Handelskammern als Ansprechpartner. Die Informationen der IHK sind sorgfältig recherchiert und werden von Sachverständigen bereitgestellt. Informationsangebote von privaten Webseiten zu rechtlichen und steuerlichen Themen sind hingegen mit Vorsicht zu genießen.

Hier ein kurzer (unvollständiger) Abriss einiger Rechtsformen:

Einzelunternehmen

Die Formalitäten und Kosten zur Gewerbeanmeldung sind gering. Hier verkaufen Sie unter Ihrem Namen. Ein Mindestkapital zur Gründung ist nicht erforderlich, jedoch haften Sie unbeschränkt sowohl mit Ihrem Geschäfts- als auch mit Ihrem Privatvermögen, also Ihrem Bankkonto, Ihrem Haus, Ihrem Auto. Außerdem tragen Sie die Herstellerhaftung, falls es zu Problemen mit den Produkten kommt.
Solange Sie weniger als 24.500 Euro Gewinn im Jahr machen, zahlen Sie keine Gewerbesteuer. Wenn Ihr Geschäft jedoch sehr gut läuft, ist diese Rechtsform für Amazon FBA steuerlich ungünstig.

Unternehmergesellschaft

Die UG ist eine vereinfachte Variante der GmbH.
Im Unterschied zum Einzelunternehmen haften Sie hier nur mit dem Stammkapital. Ein Stammkapital von einem Euro genügt bereits, um eine UG zu gründen – allerdings wirkt sich das auch auf ihr Image aus.
Gewerbesteuern sind bei dieser Rechtsform auf jeden Fall zu zahlen, auch wenn Sie nur geringe Einnahmen erzielen.

GmbH

In einer anderen Größenordnung bewegt sich die GmbH, die nicht nur in Deutschland als sehr solide Rechtsform gilt. Für ihre Gründung benötigen Sie ein entsprechendes Startkapital von 25.000 Euro, welches bei der Gründung zu mindestens 50 Prozent, also 12.500 Euro, als Bareinlage eingebracht werden muss. Außerdem sind der bürokratische Aufwand und die Kosten für die Gründung verhältnismäßig hoch.

Fazit

Der Verkauf bei Amazon wird in der überwiegenden Zahl der Fälle gewerblich sein. Möchten Sie dennoch privat verkaufen, sollten Sie sich vorher bei Ihrem Finanzamt erkundigen, um sich vor Abmahnungen zu schützen.
Welche Rechtsform Sie für den gewerblichen Verkauf bei Amazon FBA wählen, hängt von den individuellen Umständen ab. Eine pauschale Antwort gibt es hierfür nicht. In Internetforen kursiert viel Halbwissen, weswegen Sie diese Quellen nicht als Entscheidungsgrundlage heranziehen sollten. Investieren Sie in ein Beratungsgespräch beim Fachmann, der sich Ihren persönlichen Fall genau anschauen und dann eine qualifizierte Empfehlung abgeben wird.

Den Schritt, über Ihre Amazon Rechtsform zu entscheiden, können wir Ihnen zwar nicht abnehmen – die nachfolgenden Schritte allerdings schon. Nachdem Sie Ihr Amazon FBA Business erfolgreich gestartet haben, stehen wir Ihnen mit unserem Logistik Know-how zur Seite. Wir bereiten Ihre Sendung Amazon-konform vor, importieren, lagern und exportieren für Sie – hier sind wir die Fachleute.

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