7 Schritte Ihre Logistik zum Digitalen Vorreiter zu machen

Joseph Carnarius 27 Sep 2018 7 min Lesezeit

Es existieren viele Methoden, um klassische Geschäftsmodelle zu optimieren. Jedoch gibt es genug Beispiele von etablierten Firmen, die trotz Optimierung untergingen – weil sie die Digitalisierung versäumten. Meistzitiertes Beispiel ist das Musikbusiness, dessen Umsatz innerhalb von 15 Jahren um 60 % einbrach. Aber auch andere Industrien werden umgekrempelt, schauen wir uns nur das Banken- und Versicherungswesen an, oder den Medienbereich, oder die Reisebranche.
Also besser Vorreiter sein, als Trends zu verschlafen.
Doch was macht einen Vorreiter aus?

Digitalisierung vs. Digitale Transformation

Die Logistik wird von der digitalen Transformation stark beeinflusst, da diese nicht nur Kostenersparnis, sondern auch Geschwindigkeitsvorteile schafft. Jedoch endet für die Mehrheit der Entscheider die „digitale Transformation“ bei der Digitalisierung bestehender analoger Prozesse. Eine Vorreiterrolle lässt sich damit aber nicht einnehmen.
Führungskräfte verwenden die Begriffe Digitalisierung und digitale Transformation häufig als Synonym, doch tatsächlich sind die Unterschiede gravierend:
Digitalisierung bezeichnet den Vorgang, wenn ein physisch existierendes, analoges Objekt in Bits und Bytes kopiert wird. Es gibt verschiedene Grade der Digitalisierung, angefangen vom digitalen Auslesen von Formularen mittels OCR. Im Digital Business nutzen sogar ganze Geschäftsbereiche die neuen Technologien.
Digitale Transformation hingegen bedeutet, seine Geschäftsmodelle und Technologien an einen sich fundamental verändernden Markt mit dessen neuen Chancen und Herausforderungen anzupassen.
Digitale Transformation bedeutet also viel mehr als nur eine ansprechend gestaltete Webseite. Wer mit seiner Logistik erfolgreich in das digitale Zeitalter will, muss alle Geschäftsbereiche mitnehmen – Management, Forschung, Vertrieb, Marketing oder Produktion. Es reicht nicht, einfach nur neue Technologien zu nutzen, sondern es müssen alle Aspekte des Geschäfts einbezogen werden.

Im Mittelpunkt steht die Customer Experience

Die Wünsche der Kunden haben sich verändert. Hat sich Ihr Unternehmen ebenfalls verändert?
Es ist eine Fehlinterpretation davon auszugehen, bei Industrie 4.0 drehe sich alles nur um die Technologie. Digitalisierung in der Logistik bedeutet mehr, als nur in die IT zu investieren. Ziel der digitalen Transformation muss sein, effizienter zu produzieren und kundengerechtere Dienstleistungen anzubieten. Leitgedanke hinter der Umgestaltung sollte die Customer Experience sein. Will sich das Unternehmen auf lange Sicht am Markt behaupten, muss es seine Produkte und Dienstleistungen aus Kundensicht betrachten.
Das Internet bringt Angebot und Nachfrage schneller zueinander und erhöht die Transparenz bezüglich der Preise und Leistungen. „Produkte werden online aufgerufen, verglichen und innerhalb kürzester Zeit kann das kostengünstigste, am schnellsten verfügbare Produkt oder Serviceangebot ausgewählt werden.“ Die Bedeutung des mobilen E-Commerce und des damit verbundenen Themas der Retouren wie auch der Same-Day-Delivery steigen. All diese Veränderungen des Marktes hin zu Kostendruck, Individualisierung und Komplexität werden also von den Kundenwünschen getrieben. Deswegen geht es vor allem darum, nicht seine eigenen Probleme zu lösen, sondern die des Kunden.
Dafür ist es notwendig, Kunden viel früher nach ihren Bedürfnissen zu fragen.
Bedürfnisse der Kunden lassen sich beispielsweise mit Hilfe einer kollaborativen CRM-Software besser erkennen. Mit Hilfe der Software werden die Informationen der einzelnen Unternehmensbereiche vernetzt, damit Daten zu relevanten Mitarbeitern, externen Partnern und dem Kunden gebündelt zur Verfügung stehen. Das ermöglicht unmittelbare Lösungen für den Kunden, weil beispielsweise zeitraubendes Zusammentragen der Informationen bei den einzelnen Abteilungen entfällt.
Laut eines Artikels des Unternehmens SAP binden digitale Vorreiter den Einfluss der Kunden stärker ein. Sie setzen auf einen umfassenden Kundenservice, den sie mit Hilfe fortschrittlicher Digitalisierungsstrategien realisieren.

Es geht nicht ohne eine digitale Gesamtstrategie

Unternehmen stehen also vor der Herausforderung, den Servicegrad für die Kunden zu steigern und eine höhere Individualisierung und Flexibilität in Bezug auf Kundenwünsche zu erreichen.

Hier liegen die Vorteile der Digitalisierung von Unternehmen, denn die Digitalisierung der Logistik bietet durch den Einsatz neuer Technologien und Smart Data die Möglichkeiten zur Optimierung von Flexibilität, Kosten und Qualität. Ein einfaches Beispiel wären Datenbrillen, mit deren Hilfe sich Informationsflüsse optimieren lassen. So ist der Kontraktlogistiker Fiege von den Effizienzgewinnen der Pick-by-Vision-Technologie überzeugt und hat seinen Bestand an Datenbrillen inzwischen verdreifacht. Darüber hinaus rüstet er nun sein Logistikzentrum in Großbeeren mit den optischen Kommissionierhilfen aus.
Bei der Logistik Digitalisierung geht es aber nicht nur um den Einsatz von IT, um seine Daten besser zu managen, sondern um die Entwicklung neuer bzw. die Anpassung bestehender Geschäftsmodelle. Denn der wachsende E-Commerce führt dazu, dass sich auch die Nachfragestrukturen ändern, was wiederum auf die Angebotsstruktur und die Wertschöpfungsketten wirkt. Laut einer BVL-Studie über die Chancen der digitalen Transformation haben jedoch erst 3,3 % der Logistikdienstleister ihr Geschäftsmodell umfassend digital transformiert.
Pauschallösungen für die Logistik Digitalisierung existieren dabei nicht, jedoch haben digitale Vorreiter eines gemeinsam: eine digitale Gesamtstrategie.

Big Data nicht nur sammeln, sondern auch nutzen

Der Großteil der Logistikunternehmen verwendet Big Data nur, um Daten zu sammeln, zu speichern und Reports zu erstellen. Weniger als ein Drittel der Anwender setzt auf die komplexe Analyse der Daten, um daraus einen Wettbewerbsvorteil schaffen zu können. Dabei sind die Anwendungspotenziale enorm, um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Sie können das Risikomanagement verbessern, indem bessere Prognosen über politische wie auch natürliche Risiken (Unwetter) erstellt werden.
  • Weiterhin lassen sich notwendige Reparaturen oder Wartungen an Maschinen genauer vorhersagen und einplanen.
  • Eine verbesserte Absatzvorhersage führt zu einer besseren Bedarfsplanung, was sich wiederum positiv auf die Effizienz der Lagerhaltung auswirkt.
  • Positionsdaten der Produkte geben genau an, wo sich die Ware befindet. Zum einen lässt sich mittels exakter Ankunftszeiten das weitere Warenhandling optimieren, zum anderen können die Produkte später komplett zurückverfolgt werden.

Unternehmen von Management- bis Mitarbeiterebene müssen sich in den kommenden Jahren nicht nur mit der Erzeugung von Big Data, sondern vor allem mit der Analyse und Verwertung der Daten auseinandersetzen.
Dr. Roland Fischer, Geschäftsführer der Fraunhofer Arbeitsgruppe-SCS formuliert: „Die Unternehmen müssen sich überlegen, wo sie diese Technologie in ihre Angebote einbinden und welche neuen Services sie schaffen können.“
Die digitale Spedition FreightHub geht bei der Anwendung von Big Data beispielhaft voran. Daten werden nicht nur gesammelt, sondern genutzt, um den Kunden individualisiert Optimierungspotenziale aufzuzeigen.

Datenqualität und Vernetzung

Korrekte, validierte Daten sind eine Goldgrube. Jedoch liegt hier eine der Hürden für die Logistik Digitalisierung, denn die vorliegenden Daten wie Materialstammdaten oder Auftragsdaten wurden manuell eingepflegt und sind deswegen häufig unvollständig wenn nicht gar falsch – oder sie sind schlicht nicht verfügbar, da sie in einem Datensilo einer anderen Abteilung lagern.
Ein Wettbewerbsvorteil digitalisierter Speditionen wie FreightHub ist, dass alle prozessbezogenen Daten an einer Stelle zusammenlaufen. Probleme mit Datensätzen, die in mehrfacher Ausführung unterschiedlicher Aktualität vorliegen, stellen sich nicht. Dank der Vernetzung hat jeder Mitarbeiter einen Echtzeitzugang zu den Daten des gesamten Transportvorganges. Somit entfällt nicht nur das Problem der Datensilos, sondern der Kunde hat vor allem den Vorteil, dass sein Ansprechpartner in der Spedition über jede Station der gesamten Transportkette im Bilde ist. Wie genau das passiert, erfahren Sie zudem in unserem kostenlosen Whitepaper über intelligentes Transportmanagement.
Zu den ersten Schritten auf dem Weg zur digitalen Transformation gehört also, validierte Daten zu schaffen und die Datenquellen miteinander zu vernetzen.

Hierin liegt jedoch eine Gefahr, denn Unternehmen werden versuchen, ihre Daten für sich zu behalten. Doch genau das verhindert den Erfolg.
Die am häufigsten geäußerten Befürchtungen des Mittelstandes bezüglich Industrie 4.0 betreffen die Datensicherheit und die Angst, dass sorgfältig gehütetes Wissen an Konkurrenzunternehmen verlorengehen könnte. Digitalisierung beinhaltet jedoch, dass sich die Teilnehmer unternehmensübergreifend vernetzen und ihre Daten miteinander teilen. Aus der Vernetzung erwächst den Unternehmen der große Vorteil, dass aus der Zusammenführung der unterschiedlichen Know Hows neues Wissen und Innovationen entstehen. Außerdem schafft Vernetzung Transparenz, und diese wiederum ermöglicht ein besseres Verständnis von Zusammenhängen und damit einhergehend eine effektive Ursachenanalyse. Das auf diese Weise gewonnene Prozesswissen unterstützt Entscheidungsträger bei der Lösung komplexer Problemstellungen.
Digitale Vordenker arbeiten also partnerschaftlich. Mit anderen Worten, die Digitalisierung der Supply Chain ist eine Frage der eigenen Denkweise. Sie funktioniert nur, wenn alle Teilnehmer bereit für einen Austausch von Daten sind. Grundlage der digitalen Transformation ist der Wille zum Wandel bei Mitarbeitern und Führungskräften, doch werden die dafür nötigen Veränderungen der Unternehmenskultur meist unterschätzt. Workshops und Schulungen helfen, die Einstellung der beteiligten Mitarbeiter zu verändern.
Die digitale Transformation im Unternehmen kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen mitgenommen werden.

In die Menschen investieren

Durch die Logistik Digitalisierung werden sich die klassischen Berufsbilder verändern. Unternehmen müssen frühzeitig in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um dem bereits bestehenden und sich in Zukunft weiter verstärkenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) kommt zu dem Schluss „Eine zunehmende Digitalisierung wird mit einer deutlichen Umgestaltung der Arbeitswelt einhergehen, und in diesem Prozess werden Bildung und Weiterbildung der Beschäftigten eine zentrale Rolle übernehmen.“
Unbestreitbar wird die Bedeutung der Informationstechnologie weiter zunehmen:

  • Bildschirm und Smartphone-Apps ersetzen Telefon oder Faxgerät, um Güter zu koordinieren. Das Ausfüllen von Formularen per Hand entfällt, die Frachtdokumentation inklusive Rechnungserstellung erfolgt digital.
  • Langfristig werden Disponenten von computergestützten Systemen abgelöst, welche die beste Fahrtroute berechnen.
  • Lagerroboter übernehmen die Kommissionierung. Intelligente Lagerhaltungssysteme werden bei zu niedrigem Warenbestand selbständig Warenbestellungen generieren. Die Rolle des klassischen Lagerlogistikers oder Kommissionierers ändert sich hin zu einem Lager-Kontrolleur.
  • Gleiches gilt für autonom fahrende LKWs oder Frachtschiffe, welche nicht ohne menschliche Kontrolle auskommen werden.
  • Routinetätigkeiten werden automatisiert, während sich der Mensch zunehmend auf Tätigkeiten wie Planung, Überwachung, Steuerung und Koordination konzentriert.

Dieser eingeschlagene Weg erfordert neuartige Kompetenzen der Mitarbeiter und der Führungskräfte. Der Trend geht dahin, dass Fachkräfte zukünftig eher strategische Fragestellungen lösen müssen. Weiterhin bringt die Entwicklung zu dezentralen Entscheidungen es mit sich, dass Mitarbeitern größere Verantwortung übertragen wird.

Mit einem kleinen Projekt beginnen

Große Projekte benötigen große Investitionen und viel Vorbereitungszeit, zudem sind sie schwer zu überschauen. Es zeigt sich erst nach längerer Laufzeit, ob der erhoffte Nutzen eintritt. Unternehmen, die gerade erst mit der Digitalisierung ihrer Logistik beginnen, sollten in kleinen Schritten vorgehen und auf den gewonnenen Erfahrungen Schritt für Schritt aufbauen.
Schauen Sie sich die konkrete Situation in Ihrem Unternehmen an. Was könnten erste Maßnahmen sein? Welche Technologien lassen sich sinnvoll einsetzen? Wie nehmen Sie die Mitarbeiter mit?
Suchen Sie zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen den Kontakt zu Forschungseinrichtungen. Viele Hochschulen besitzen schon Testlabore und Testinfrastrukturen.
Die Plattform Industrie 4.0 unter Schirmherrschaft des Bundeswirtschafts- und Bundesforschungsministeriums gibt auf ihrer Online-Landkarte Einblicke in den konkreten Praxiseinsatz verschiedener Projekte und informiert über Angebote der Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren.

Fazit

„Die Bewältigung des digitalen Wandels ist die wichtigste Managementaufgabe unserer Zeit“, stellte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf auf der CeBIT in Hannover fest. „Verändert sich das Geschäftsmodell infolge der Digitalisierung, muss sich das Unternehmen anpassen oder verschwindet früher oder später vom Markt.“ Besonders Mittelständler zögerten aber, in das digitale Zeitalter aufzubrechen. Laut einer Studie von Bitkom investiere nur ein Viertel der Unternehmen in digitale Geschäftsmodelle.
Jedoch bietet die Digitalisierung der Logistik die Möglichkeit, Ziele zu erreichen, die mit traditionellen Methoden nicht zu realisieren wären: immer komplexere Warenströme zu beherrschen, die Produktivität bei mindestens gleichbleibender Flexibilität zu steigern, die Qualität der Leistungen zu erhöhen und vor allem auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.

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Joseph Carnarius 27 Sep 2018 7 min Lesezeit

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