Dein FBA-Zoll-Leitfaden: Was Du für Deine China-Importe ins Amazon-Lager wissen musst

12 Jul 2019 20 min Lesezeit
Oguzhan Sariyildiz Oguzhan Sariyildiz

Was große Unternehmen können, schafft ein FBA-Händler genauso: Das Business skalieren und vorantreiben. Dafür nützt es, das Produktsortiment zu erweitern. 

Um jedoch eine gute Marge zu erzielen und Deinen Gewinn zu steigern, kommst Du über kurz oder lang nicht drum herum, Geschäftsbeziehungen nach Asien aufzubauen. Besonders attraktiv ist der Import aus China. Die Herstellungskosten in China liegen weit unter dem Preis europäischer Hersteller und Du kannst deswegen von günstigen Einkaufspreisen profitieren.

Wenn Du nun den chinesischen Geschäftspartner Deines Vertrauens gefunden hast und geklärt ist, dass die Ware den deutschen Normen entspricht, möchtest Du als Nächstes Deine Lieferung möglichst reibungslos von China in das Amazon-Lager bekommen.

Am sichersten geht das, wenn Du eine erfahrene Spedition an Deiner Seite hast, die für Dich den Transport organisiert und sich dabei für Deine Belange einsetzt. Trotzdem läuft das nicht ganz ohne Deine Zuarbeit ab. Zur Abwicklung Deines globalen Transports brauchen wir beispielsweise einige Dokumente von Dir, wobei es vor allem um das Thema Zoll geht. 

Thema Zoll – Wann es Zeit wird, sich damit zu beschäftigen 

Der Zoll ist eine Form der Steuer und wird fällig, wenn Waren eine Zollgrenze passieren. Die für Dich relevante Zollgrenze ist die der Europäischen Union. Das heißt, dass auch diejenigen europäischen Länder, die nicht zur EU gehören, außerhalb der Zollgrenze liegen. 

Innerhalb der EU werden keine Zölle erhoben, da die Europäische Union eine Zollunion ist. Anders sieht es aus, wenn Waren die Außengrenze der EU überschreiten. Je nachdem, in welche Richtung das geschieht, werden Einfuhr- und Ausfuhrzölle unterschieden. 

Erwartest Du also eine Sendung aus einem Land, welches nicht zur EU gehört, ist sie zollpflichtig und Du musst sie bei der Zollbehörde anmelden. Bei einem Warenwert unter 22 Euro genügt eine mündliche Anmeldung, bei einem Warenwert über 22 Euro muss die Anmeldung elektronisch erfolgen.

Zollbefreiungen gibt es für sogenannte “Sendungen mit geringem Wert”. Die Zollbehörden verstehen darunter Sendungen bis zu einem Wert von 150 Euro – ausgenommen sind Alkohol, Tabak und Parfüm. Du solltest aber wissen, dass Sendungen, die aus mehreren Packstücken bestehen und am selben Tag dieselbe Zollstelle durchlaufen, zusammengefasst werden. Auch wenn Deine Waren aufgrund ihres geringen Wertes zollfrei sein sollten, kann immer noch eine Einfuhrumsatzsteuer fällig werden. 

Bei Online-Händlern kommen Bestellungen, die einen Warenwert unter 150 Euro haben, jedoch eher selten vor und das Thema Zollgebühren wird relevant. Du möchtest nämlich nicht nur vermeiden, dass Deine Sendung wegen fehlender Dokumente von den Zollbehörden zurückgehalten wird, sondern Du möchtest auch bei der Kalkulation der Kosten, die Du für Dein Produkt hast, genau wissen, was auf Dich zukommt.

Damit Du hierfür nicht lange recherchieren musst und die wichtigsten Informationen zur Hand hast, haben wir diesen Ratgeber für Dich zusammengestellt. 

Import aus China

China gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands und so ist es nicht verwunderlich, dass auch FBA-Seller bevorzugt aus China importieren.

Da China außerhalb der EU-Zollgrenzen liegt, solltest Du bei Deiner Preiskalkulation Einfuhrzölle berücksichtigen. Die Höhe der Abgaben hängt von der Art Deiner Waren und dem Warenwert ab. 

Wichtig: Dabei musst Du wissen, dass Du den Warenwert nicht einfach mit dem Warenpreis gleichsetzen kannst. 

Beispiel: Auf Deiner Handelsrechnung ist eine Summe von 3.000 Euro angegeben. Für den Transport zahlst Du 400 Euro. Wenn die Transportkosten in die Berechnung des Zollbetrages einfließen, erhöht sich die Berechnungsgrundlage für den Zollbetrag also bereits auf 3.400 Euro.

Die Zollgebühren gelten sowohl für Gewerbetreibende, als auch für Privatpersonen. Die Einfuhrabgaben lassen sich also nicht umgehen, indem der Lieferant die Sendung kurzerhand als „Geschenk“ deklariert. Da chinesische Onlinehändler häufig versuchen, Steuern zu umgehen, schauen die Zöllner genau hin. Sie achten beispielsweise gesondert auf gefälschte Markenprodukte wie auch auf Technikprodukte, denen die CE-Kennzeichnung fehlt. Bevor Du ein importiertes Produkt in Deutschland verkaufen kannst, musst Du immer prüfen lassen, ob es rechtskonform ist!

Nicht-EU-Sendungen – Vorprüfung zur Einfuhr

Um Deine Warensendung aus China in Deutschland einzuführen, musst Du ein Abfertigungsverfahren durchlaufen. Dieses Verfahren ist standardisiert und beginnt mit der Entgegennahme und Vorprüfung der Zollanmeldung. Das soll heißen, dass Deine Sendung im Zielland, sprich Deutschland, angekommen ist und nun zur Verzollung vorbereitet wird. Die Bearbeitung kann je nach Auslastung der Zollstelle wenige Stunden bis mehrere Tage dauern.

Mit der Vorprüfung kontrollieren die Zollbehörden, 

  • ob die Zollanmeldung alle nötigen Angaben enthält
  • alle Unterlagen und Bewilligungen vollständig sind
  • ob die Zollbehörde zuständig ist

Ist der Antrag unvollständig oder fällt Deine Sendung nicht in den Zuständigkeitsbereich der Zollbehörde, wird der Antrag an dieser Stelle abgelehnt. Ist jedoch alles vorschriftsgemäß, hat die Zollbehörde den Antrag anzunehmen.

Zollanmeldung Einfuhr

Wenn Du Deine Waren aus China beim Zoll deklarieren willst, gelten dieselben Formen wie für die Einfuhr aus anderen Ländern. Grundsätzlich muss die Zollanmeldung elektronisch per ATLAS-System erfolgen. Wenn Du Deine Waren über FreightHub importieren lässt, brauchst Du Dir keine Gedanken darüber machen, da wir uns für Dich um die ATLAS-Anmeldung kümmern. 

Lies weiter, um mehr über das Einfuhrverfahren und die Zollberechnung zu erfahren.

Übrigens: 

Händler, die von einem Drittstaat ein Produkt in den Europäischen Wirtschaftsraum einführen, haften für die Qualität ihrer Produkte. Dadurch sollen die deutschen Verbraucher geschützt werden. 

Zollverfahren 

Tipp: FreightHub ist es wichtig, Dich als FBA-Seller bestmöglich zu unterstützen, sodass Du Dich voll und ganz auf Dein Kerngeschäft konzentrieren kannst. Deshalb stehen Dir in unserem Team Zoll-Profis zur Seite, die Dich explizit beim Thema Zoll beraten und Dir proaktiv unter die Arme greifen. Kontaktiere uns daher gerne, wenn Du Waren aus China importieren willst.

Wie läuft die Zollabfertigung ab?

Es gibt mehrere Verfahren in der Verzollung. Alle sind automatisiert. Sie erfolgen über das ATLAS-System, dessen Teilnahme verpflichtend ist. Über ATLAS erledigst Du beispielsweise Eingangs- und Ausgangsanmeldungen oder Gestellungsmitteilungen, während Du von den Zollbehörden auf diesem Weg über ihre Entscheidungen oder die Höhe der Einfuhrabgaben informiert wirst. Alternativ kannst Du auch Deinen Spediteur dafür beauftragen. 

Bei den Zollverfahren kannst Du Dich auch vertreten lassen (Artikel 18 Zollkodex der Europäischen Union). Es gibt zwei Varianten:

  • die direkte Vertretung (Vertreter handelt in Deinem Namen und für Deine Rechnung)
  • die indirekte Vertretung (Vertreter handelt in eigenem Namen, aber für Deine Rechnung) 

FreightHub handelt für Dich bei der Zollabfertigung in direkter Vertretung.

Zu den Zollverfahren gehören:

  • Einfuhrverfahren („Überlassung zum zollrechtlich freien Verkehr“)
  • Ausfuhrverfahren
  • Vorübergehende Verwendung (Waren sollen nach vorübergehendem Gebrauch wieder ausgeführt werden. Beispiele: Messewaren, der Pkw eines Touristen)
  • Zolllager
  • Aktive Veredelung (Ware wird in der EU bearbeitet. Während dieser Zeit entstehen keine Einfuhrabgaben. Anschließend kann sie wieder ausgeführt, oder aber es werden Einfuhrabgaben entrichtet, um die Ware in den freien Verkehr zu überführen.)
  • Passive Veredelung (Hierbei verlässt die Ware die EU, um außerhalb der EU verarbeitet zu werden. Bei der Rückkehr in die EU entstehen keine oder nur anteilige Einfuhrabgaben.)
  • Versandverfahren (Die Verzollung muss nicht zum Zeitpunkt des Grenzübertritts abgewickelt werden, sondern wird ausgesetzt, bis die Ware am zuständigen Binnenzollamt eintrifft. Die Überführung in den freien Verkehr übernimmt das Binnenzollamt.) 

Die für Dich relevanten Zollverfahren sind die Einfuhr und die Ausfuhr.

Einfuhr

Das mit Abstand wichtigste Zollverfahren ist die „Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr“. Es trifft auf Waren zu, die endgültig in der EU verbleiben. Das Zollverfahren ist Voraussetzung dafür, um Deine Waren in Empfang nehmen zu können. Normalerweise wird hierbei auch gleich die Überführung in den steuerrechtlich freien Verkehr abgewickelt, das heißt, neben dem Zoll entrichtest Du auch noch die Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Verbrauchsteuern. 

Die Überführung in den freien Verkehr ist standardisiert, das heißt, sie verläuft in allen EU-Mitgliedstaaten einheitlich. Sie besteht im Wesentlichen aus folgenden Schritten:

  1. Du meldest Deine Waren an. (In Deinem Fall läuft das so ab, dass Du uns Deine Daten schickst und wir die Waren für Dich anmelden.)
  2. Die Zollstelle prüft, ob die Anmeldung in ihren Zuständigkeitsbereich fällt und ob die Anmeldung vollständig ausgefüllt wurde.
  3. Wenn ja, hat sie den Antrag anzunehmen.
  4. Der Zoll schaut sich die Unterlagen an.
  5. Stellen die Beamten fest, dass Du Zoll zu entrichten hast, musst Du diesen zuerst bezahlen, bevor Dir die Ware überlassen wird.
  6. Wenn diese Schritte erledigt sind, wird Dir Deine Ware „zum freien Verkehr“ überlassen. Die Nicht-Unionsware gilt nun als Unionsware.

Ausfuhr

Auch wenn Du bei der Ausfuhr aus der EU weder Zoll noch Umsatz- oder Verbrauchssteuern zahlst, musst Du trotzdem ein Ausfuhrverfahren durchlaufen. 

Das Ausfuhrverfahren besteht normalerweise aus zwei Stufen. In der ersten Stufe benachrichtigst Du Dein Binnenzollamt, dass Deine Waren, die Du ausführen willst, bei der Zollstelle eingetroffen sind. Dazu gibst Du eine elektronische Ausfuhranmeldung ab. Ist alles in Ordnung, bekommst Du ein Ausfuhrbegleitdokument (ABD). Mit den Waren und dem ABD geht es nun zum Zollamt, über welches Deine Waren die EU verlassen sollen. Das ist die zweite Stufe. Die Ausgangszollstelle prüft noch einmal, ob die Waren zum ABD passen und überlässt sie Dir dann zur Ausfuhr.

Wenn Du Dich genauer mit dem Thema Ausfuhr beschäftigen möchtest, dann empfehlen wir Dir unseren Ausfuhr-Zoll-Leitfaden.

Zolltarife und Steuern: Welche Kosten kommen auf Dich zu?

Folgende Abgaben können bei einer Einfuhr aus Drittländern erhoben werden:

  • Zoll
  • Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
  • Verbrauchsteuern (VSt)

Zu den Verbrauchsteuern zählen: Energiesteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Alkopopsteuer, Biersteuer, Schaumwein- und Zwischenerzeugnissteuer sowie die Kaffeesteuer.

Zolltarife

Da die EU eine Zollunion ist, sind Ein- und Ausfuhrzölle sowie mengenmäßige Handelsbeschränkungen verboten. Gegenüber dritten Ländern gilt der gemeinsame Zolltarif der EG, der TARIC. Obwohl die Türkei, Andorra sowie San Marino nicht zur EU gehören, besteht zwischen jedem dieser Länder und der EU eine Zollunion. Die Zollunion mit der Türkei beschränkt sich allerdings auf den Warenverkehr. 

Im Zolltarif findet sich für jede Ware ein sogenannter Drittlandszollsatz (Regelzollsatz). Das heißt nichts anderes, als dass der Zollsatz auf Waren aus Nicht-EU-Ländern (also Drittländern) angewendet wird. 

Die Zollsätze lassen sich über die TARIC-Datenbank oder den deutschen Elektronischen Zolltarif (EZT) recherchieren. 

Der TARIC wird mit 10 Stellen codiert, die in der ganzen EU einheitlich sein müssen. Der nationale deutsche Zolltarif EZT umfasst noch eine 11. Stelle. Er kann also als erweiterter TARIC angesehen werden. Der Grund für die 11. Stelle sind die Einfuhrumsatzsteuern und Verbrauchsteuern, die jedes Mitgliedsland national regelt. Verbrauchsteuern fallen zum Beispiel auf Bier, Tabak und Kaffee an. Die nationalen Maßnahmen Deutschlands sind durch die 11. Ziffer des deutschen EZT verschlüsselt und im TARIC nicht sichtbar.

Zollsätze

Du benötigst den Zollsatz, um zu berechnen, wie viel Zoll Du zu entrichten hast. Es gilt: 

Zollwert x Zollsatz = Zollbetrag

Die Zollsätze ergeben sich aus dem Zolltarifschema. In 90 % aller Einfuhrfälle in die EU werden sie als Wertzölle in Form einer Prozentzahl angegeben

Außerdem gibt es noch spezifische Zölle, die sich beispielsweise am Gewicht, der Fläche, dem Volumen oder dem Alkoholgehalt der Ware orientieren. Mischzölle sind eine Kombination aus Wertzoll und spezifischem Zoll, wobei einer dieser Zollsätze die Höchst- oder Mindestgrenze des anzuwendenden Zollsatzes angibt. Spezifische Zollsätze gelten nur noch für einzelne Waren.

Beispiele für Zollsätze

Wertzoll: 9,2 %

Spezifischer Zoll (hier Gewichtszoll): „mindestens 18 Euro für 100 Kilogramm“.

Um nun die genaue Höhe des Zollsatzes abzufragen, musst Du zuerst die Zolltarifnummer Deiner Einfuhrware wissen. Diese bekommst Du beispielsweise auf https://www.zolltarifnummern.de 

Mit der Zolltarifnummer liefert Dir die Internetseite des EZT nicht nur den Zollsatz, sondern auch Informationen über Steuern, Einfuhrbedingungen und Rechtsvorschriften. 

Nachdem Du Deine Ware eingereiht hast, sollte Dir ein Drittlandszollsatz in % ausgegeben werden. Dieser kann tatsächlich auch mal 0 %, betragen, beispielsweise wenn Du einen Laptop einführen willst (Zolltarifnummer 84713000000). 

Zollwert

Der Zollwert ist Bemessungsgrundlage für die Höhe des Zolls. Der tatsächlich zu zahlende Zoll hingegen heißt Zollbetrag

Der Zollwert basiert auf dem Transaktionswert der Ware beim Eintritt in die EU. Der Transaktionswert ist der Betrag, der tatsächlich gezahlt wurde, um die Ware zu erhalten. Um den Zollwert zu ermitteln, wird der Bruttorechnungspreis zugrunde gelegt und gegebenenfalls mit Plus- und Minusfaktoren korrigiert. Hinzuzurechnen sind beispielsweise: 

  • Verpackungskosten
  • Frachtkosten
  • Versicherungskosten

Vom Rechnungsbetrag abgezogen werden beispielsweise: 

  • Beförderungskosten nach Einfuhr in die EG
  • Montagekosten
  • Rabatte bzw. Skonto 

Bitte beachte: Diese Beispiele sind keine vollständigen Listen! Mehr über die Hinzurechnungen und Abzüge erfährst Du auf der Website des Zolls unter Berichtigungen nach Artikel 71 und 72 UZK

Die Plus- und Minusfaktoren für die Berechnung des Zollwerts unterscheiden sich je nach Incoterm. Eine Überlegung, die hier angestellt werden muss, lautet: Welche Frachtkosten sind im Rechnungspreis enthalten, und welche nicht? Außerdem gibt es bei den Incoterms Unterschiede hinsichtlich der Transportversicherung. Nicht in jedem Incoterm ist eine Transportversicherung enthalten. Solltest Du Deine Ware separat versichern, wird aus der Versicherungsprämie ein Plusfaktor für den Zollwert. 

Formulare zur Berechnung des Zollwertes gibt es im Internet. Auf der Website des Zolls kannst Du das Formular D.V.1 herunterladen und ausfüllen. Das Formular macht klare Vorgaben und hat eine automatische Rechenfunktion. Wenn Du die Höhe des Zollwertes berechnet hast, brauchst Du diesen nur noch mit dem Zollsatz multiplizieren – und schon weißt Du, wie hoch Dein Zollbetrag ist (ohne Steuerabgaben).

Beispiel für die Berechnung des Zollwertes

Rechnungspreis FOB Hongkong: 9.520 Dollar, Kurs 1 EUR = 1,12 Dollar

Vortransport nach Hongkong   215,00 USD

Seefracht bis Antwerpen 1.013,26 EUR

Fracht Antwerpen – Köln   310,00 EUR

Fracht Köln – Stuttgart   474,00 EUR

Transportversicherung   128,70 EUR

Lösung:

Rechnungspreis 8.500,00 EUR (9.520 Dollar = 8.500 EUR)

Seefracht 1.013,26 EUR

Transportversicherung   128,70 EUR

Zollwert 9.641,96 EUR

Begründung: Der Vorlauf nach Hongkong ist schon im Rechnungspreis enthalten. Der Nachlauf nach Stuttgart findet innerhalb der EU statt und gehört deswegen nicht zum Zollwert. 

Zoll-Umrechnungskurs

Bei der Einfuhr aus Ländern außerhalb der EU kommt es häufig vor, dass die Rechnungsbeträge in der Landeswährung oder in US-Dollar angegeben werden. 

Die Zollbehörden werden diese Beträge mit dem aktuellen Wechselkurs in Euro umrechnen. Hierbei wenden sie drei Wechselkursarten an:

Notierte Währungen

Es gelten die von der Europäischen Zentralbank festgesetzten Referenzwechselkurse, die einmal im Monat veröffentlicht werden.

Nicht notierte Währungen

Hier bestimmt die Generalzolldirektion den Wechselkurs.

Beispielländer: Bangladesch, China, Indien, Marokko, Russland, Pakistan, Vietnam

Luftfrachtkosten-Wechselkurse 

Die Umrechnung von Luftfrachtkosten in ausländischer Währung geschieht nach den aktuellen Bankers Selling Rates der IATA. Diese werden einmal im Monat von der Lufthansa herausgegeben.

Der Zoll hat eine Datenbank, auf der Du diese aktuellen Wechselkurse abfragen kannst. Die Wechselkurse gibt es auch als CSV- oder XML-Datei, welche Du Dir direkt herunterladen kannst. 

Einfuhrumsatzsteuer 

In der Regel wird die Einfuhrumsatzsteuer zusammen mit dem Zoll erhoben. Die Berechnungsgrundlage ist der Gesamtumsatz. Dieser setzt sich zusammen aus Zollwert, Zoll, Verbrauchsteuern und aus allen weiteren vor der Verzollung in der EU entstandenen (mehrwertsteuerfreien) Kosten, sowie den Beförderungskosten ab EG-Grenze bis zum ersten Bestimmungsort. Brauchst Du auf die Ware keinen Zoll und keine Verbrauchssteuern zu zahlen, und ist der Einführer vorsteuerabzugsberechtigt, dann dient der Rechnungspreis als Berechnungsgrundlage für die EUSt. 

Die Einfuhrumsatzsteuer ist bei jeder Einfuhr auf alle eingeführten Waren zu zahlen. Im Regelfall beträgt sie 19 %, ermäßigt 7 %. Da die Einfuhrumsatzsteuer neben den Produktionskosten einen beträchtlichen Posten in der Vorfinanzierung einnimmt, lohnt es sich, über ein Aufschubkonto nachzudenken. Ein EUSt-Aufschubkonto würde Dir einen zinslosen Zahlungsaufschub von 15 bis 46 Tagen verschaffen. 

Lies mehr zum Thema Aufschubkonto in unserem separaten Blogartikel. 

Verbrauchsteuern

Verbrauchsteuern sind nationale Steuern und variieren deshalb in den einzelnen EG-Mitgliedsländern. Die Berechnung geschieht nach den unterschiedlichsten Bemessungsgrundlagen wie Stück, Gewicht, Hektoliter, usw.

In Deutschland sind Verbrauchsteuern zu zahlen auf:

  • Mineralölerzeugnisse, Gas, Elektrizität 
  • alle Tabakprodukte 
  • alkoholhaltige Produkte (dazu zählen nicht nur Schnaps, sondern auch Parfums usw.)
  • Bier
  • Sekt, Champagner und Schaumwein 
  • alle kaffeehaltigen Produkte 

Zollgebühren in Deutschland

Für die Berechnung der deutschen Zollgebühren gilt die einfache Formel 

Zollwert x Zollsatz = Zollbetrag 

In der Zollunion der EG inkl. Türkei gelten für alle Mitgliedstaaten gleich hohe Einfuhrzölle auf Waren, die von außerhalb in die Union importiert werden. Eine Reihe von Waren sind vom Zoll befreit. Details über das System der Zollbefreiungen stehen in der Zollbefreiungsverordnung der EG (Nr. 1186/2009). Um welche Waren es sich genau handelt, bzw. den genauen Wortlaut der Zollbefreiungsverordnung, kannst Du auf der entsprechenden Website des Zolls nachlesen.

Antidumpingzölle und Ausgleichszölle

Manchmal werden zusätzlich zu den normalen Drittlandszöllen noch Antidumpingzölle erhoben. Diese Zölle sollen verhindern, dass Unternehmen bestimmte Standards nicht einhalten, um Dumpingpreise anbieten zu können (Kinderarbeit, Mindestlöhne, Umweltschutz usw.). Um Antidumpingzölle zu verhindern, legen einige Unternehmen ihre Produktionsbedingungen offen. Aus diesem Grund kann dieser Zoll innerhalb eines Landes von Unternehmen zu Unternehmen schwanken. Beispielsweise reicht die Spanne bei chinesischen Elektrofahrrädern zur Zeit von 20-80 %. (Siehe EZT-Datenbank. Hier unter “Codenummer” die Zolltarifnummer 87116090100 und unter “Geografisches Gebiet” CN eingeben.)

Antidumpingzölle betreffen vor allem Waren mit Ursprung in China, wie E-Bikes, Fahrräder, Fahrradteile, Keramik, Porzellan und Edelstahl. Der Grund ist, dass Chinesen in besonders großen Stückzahlen produzieren können. Dadurch sinken die Herstellungskosten, sodass die Waren weit unter dem Preis europäischer Hersteller angeboten werden. Eine Rolle spielt außerdem noch, dass zahlreiche Wirtschaftszweige in China staatlich subventioniert werden. Solche staatlichen Subventionen sollen durch Ausgleichszölle ausgeglichen werden. Es ist also durchaus möglich, dass auf einen China-Import sowohl ein Antidumping- als auch ein Ausgleichszoll erhoben wird.

Beispiel für die Berechnung von Zoll- und Steuerschuld

Nachdem Du alles über die einzelnen Einfuhrabgaben gelernt hast, präsentieren wir Dir nun ein Beispiel, was Dir eine komplette Zollschuld- und Steuerschuld-Berechnung für den Normalfall aufzeigt. 

In unserem Beispiel sollen Regenschirme aus China eingeführt werden. Der Transport erfolgt per Schiff bis Rotterdam, danach per Zug bis Frankfurt. 

Rechnungspreis (Incoterm: ex works) 10.000 EUR

Kosten für die Verschiffung bis Rotterdam   1.200 EUR

Transport Rotterdam – Köln     250 EUR

Einfuhrzollsatz         4,5 %

EUSt-Satz         19.0 %

Berechnung des Zollwerts
Rechnungspreis (ex works)

+ Transport und Versicherung

= Zollwert

10.000 EUR

1.200 EUR

= 11.200 EUR

Berechnung Zollbetrag
Zollbetrag = Zollwert x Zollsatz 

(11.200 EUR x 4,5 %)

= 504 EUR
Berechnung EUSt-Wert
Zollwert

+ Zollbetrag

+ Beförderung innerhalb der EU

= Bemessungsgrundlage für EUSt

11.200 EUR

504 EUR

250 EUR

= 11.954 EUR

Berechnung EUSt-Betrag
EUSt-Betrag = EUSt Wert x EUSt Satz

(11.954 EUR x 19 %)

= 2.271,26 EUR
Berechnung der Einfuhrabgaben gesamt
Zollbetrag + EUSt Betrag 

(504 EUR + 2.271,26 EUR)

Gesamtabgabe = 2.775,26 EUR

Fiskalverzollung: Der elegante Weg, die Steuerzahlung aufzuschieben

Der Vorteil der Fiskalverzollung ist, dass die Einfuhrumsatzsteuer zunächst “gespart” und erst später über die Umsatzsteueranmeldung Deines Unternehmens abgeführt wird. Daraus ergibt sich ein Steuerstundungseffekt, welches Deinem Unternehmen einen Liquiditätsvorteil beschert.

Die Fiskalverzollung ist speziell für solche Unternehmer gedacht, die Waren aus einem Drittland in die EU einführen. Sie ist also eine Art Dreiecksgeschäft: Der Verkäufer sitzt außerhalb der EU, der Empfänger beispielsweise in den Niederlanden, der Käufer in Deutschland. Daraus ergibt sich die wichtigste Voraussetzung, um eine Fiskalverzollung durchzuführen:

Die Ware muss für ein anderes EU-Land bestimmt sein als das Land, in dem die Zollabfertigung stattfindet. 

Eine weitere wichtige Bedingung ist, dass die Ware unverzüglich nach der Zollabfertigung in das EU-Bestimmungsland verbracht wird. 

Weiterhin benötigst Du einen so genannten Fiskalvertreter. Zu Deinem Fiskalvertreter kannst Du beispielsweise einen Steuerberater, einen Rechtsanwalt, einen Buchprüfer – oder aber eine Spedition bestellen. FreightHub verfügt über ein Netz von Fiskalvertretern, mit denen wir seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. Gerne beraten wir Dich hierzu. 

Beispiel für eine Fiskalverzollung

Betrachten wir zuerst den Normalfall:

Ein Importeur mit Firmensitz in Deutschland führt seine Ware aus dem Drittland China über den deutschen Hafen Hamburg in die EU ein. Sofern die Ware nicht zollfrei ist, werden sofort Zoll und Einfuhrumsatzsteuer fällig. 

Im Gegensatz dazu die Fiskalverzollung:

Der Importeur führt seine Ware über den belgischen Hafen Antwerpen, also im EU-Ausland ein. Eine belgische Spedition übernimmt als Fiskalvertreter die „Überführung in den freien Verkehr“. Es wird sofort Zoll fällig (es gilt der einheitliche EU-Tarif). Nicht aber für die 19% deutsche Einfuhrumsatzsteuer. Durch das Einfuhrverfahren gilt die Nicht-Unionsware nun als Unionsware und kann als innergemeinschaftliche Lieferung umsatzsteuerfrei nach Deutschland transportiert werden.

Den finanziellen Steuerstundungseffekt musst Du natürlich zusammen mit Frachtkosten kalkulieren, da der Liquiditätsvorteil uninteressant wird, wenn sich durch die Umroutung höhere Frachtkosten ergeben.

Tipp

Zu diesem Thema empfehlen wir Dir auch unser Video “Fiskalverzollung // FBA Logistics Explained by Freighthub”. 

Gilt nicht nur für den Import aus China: Welche Versanddokumente sind generell nötig?

Es gibt eine Vielfalt an Dokumenten, die im internationalen Warenhandel von Dir gefordert werden können. Mit manchen wirst Du es jedoch nie zu tun bekommen. Im Grunde genommen sind es vier Versanddokumente, auf die es für Dich essentiell ankommt: Zollvollmacht, Bill of Lading, Handelsrechnung und Packliste. Im folgenden Abschnitt erklären wir Dir die wichtigsten Papiere:

Bill of Lading – Konnossement

Das Bill of Lading (B/L), oder auch Konnossement genannt, ist das wichtigste Dokument im Seeverkehr. Hierbei handelt es sich um einen Seefrachtbrief und eine Eigentumsurkunde zugleich. Frachtbriefe sind bei jedem Transportmittel gebräuchlich. So gibt es in der Luftfracht den Luftfrachtbrief bzw. das Air Waybill, bei der Bahn den CIM-Frachtbrief, und im Straßengüterverkehr den CMR-Frachtbrief. Jedoch erfüllt nur das B/L auch gleichzeitig die Funktion einer Eigentumsurkunde.

Mit dem Bill of Lading quittiert der Verfrachter dem Ablader zunächst, dass er die Ware entgegengenommen hat. Dabei ist der Ablader derjenige, der den Container zum Abfahrtshafen fährt. Und der Verfrachter ist derjenige, der den Container über die Meere transportiert. 

Das B/L (bzw. Konnossement) ist aber noch viel mehr als ein Seefrachtbrief. Und das ist der wesentliche Unterschied: Das B/L repräsentiert während des Transportes nämlich die Ware. Das heißt, dass die Ware, noch während sie sich auf See befindet, weiterverkauft werden kann. Die Übergabe des Papiers steht also für die Übergabe der Ware. Sprich: Derjenige, der das Konnossement (rechtmäßig) in den Händen hält, kann im Zielhafen die Ware in Empfang nehmen.

Wer stellt das Konnossement (B/L) aus?

Das Bill of Lading wird vom Verfrachter (Carrier) ausgestellt. Der Begriff Verfrachter wird nur beim Seeverkehr benutzt. Es ist ein Synonym für den Spediteur bzw. Frachtführer, also denjenigen, der den Transport mit einem eigenen oder mit einem gecharterten Schiff durchführt. 

Welche Angaben muss ein B/L enthalten?

Das ist im § 643 HGB geregelt. Ein Bill of Lading enthält demnach unter anderem:

  • Name von Verfrachter, Ablader und Empfänger
  • Name des Schiffes
  • Verladehafen, Löschhafen 
  • Angaben über die Waren (Art, Abmessungen, Gewicht)

Wann brauchst Du ein Konnossement?

Ein Konnossement (üblicherweise Original B/L genannt) wird verwendet, wenn sich Versender und Empfänger nicht gut kennen und sich absichern wollen. Der Versender stellt sicher, dass er bis zum Eingang der Zahlung der Eigentümer der Ware bleibt. Der Empfänger hingegen stellt sicher, dass die Ware existiert und auf dem Weg zu ihm ist, bevor er dem Verkäufer Geld überweist.

Reicht vielleicht doch ein Seefrachtbrief?

Der Seefrachtbrief (auch seaway bill oder Express cargo B/L) ist kein Konnossement im technischen Sinn. Er bescheinigt lediglich den Transport einer bestimmten Ware, jedoch nicht deren finanziellen Wert. 

Wenn Du als Empfänger Deine Waren im Voraus bezahlt hast und auch nicht beabsichtigst, diese während des Transports zu verkaufen, dann ist ein Konnossement nicht notwendig. Wenn Du stattdessen einen Seefrachtbrief benutzt, vereinfacht sich für Dich der ganze Prozess, da Du Dir Papierkram und Kurierkosten sparst. Wieso?

Weil Du im Falle des Konnossements nämlich erst das Original des Konnossements in den Händen halten musst, bevor Du Deine Ware in Empfang nehmen kannst: In der Praxis sähe das so aus, dass Dein Versender Dir das Konnossement per Kurier schickt. Danach müsstest Du es an uns weitersenden, damit FreightHub die Ware zustellen darf. Manchmal kommt es zu Verzögerungen. Und während Du auf den Kurier mit dem Konnossement wartest, steht die Ware im Löschhafen und Dir drohen Standgebühren. 

Gut, in diesem Fall gibt es die Möglichkeit, dass Dein Lieferant den Spediteur beauftragt, eine sogenannte Telexfreigabe zu veranlassen. Dadurch ist eine vereinfachte Übergabe der Ware im Bestimmungsseehafen ohne Originale möglich. Die Bezeichnung „Telex Release“ ist ein Relikt aus Zeiten, als solche eine Freigabe noch per Telex verschickt wurde. Natürlich geschieht so etwas heute per E-Mail. 

Trotzdem ist der Transport per Seefrachtbrief im Gegensatz zum Konnossement unkomplizierter. 

Allerdings empfiehlt sich ein Seefrachtbrief (Express cargo B/L) nur: 

  • Bei Vorkasse
  • Wenn Empfänger und Auftraggeber langjährige Partner, bzw. Mutter- und Tochterunternehmen sind
  • Kein Original B/L gemäß Ländervorschriften verlangt wird
  • Der Verschiffungsspediteur einen Agenten im Empfangsland hat, der das Express B/L auslösen kann.

Wir haben zum Konnossement (Bill of Lading) bereits einen ausführlichen Artikel in unserem Blog. Wenn Du mehr erfahren willst, lies hier weiter: Bill of Lading (Konnossement) und Telex Release: Vor- und Nachteile in der Übersicht.

Zollvollmacht

Wenn Du nur wenig Zeit hast oder Dich mit den zollrechtlichen Bestimmungen nicht auskennst, ist es sinnvoll, einen Dritten mit der Übernahme dieser Aufgaben zu betrauen. Hierfür ist allerdings eine Zollvollmacht erforderlich. Der Artikel 18 Zollkodex der Europäischen Union (UZK) sieht vor, dass jede Person einen Zollvertreter ernennen kann. 

Die Zollvollmacht enthält neben Namen und Anschrift des Vollmachtgebers und des Bevollmächtigten auch eine genaue Definition des Geltungsbereiches. Sie ist nur mit Unterschrift gültig. Danach ist die Zollvollmacht solange wirksam, bis du sie widerrufst. 

Damit FreightHub Dich beim Zoll vertreten und die Zollanmeldung in Deinem Namen rechtsverbindlich ausführen kann, musst Du uns also eine Zollvollmacht erteilen. Wir nutzen dazu unser firmeneigenes Formular, welches du nur noch ausfüllen brauchst. Du findest die Vorlage auf unserer Plattform

Handelsrechnung

Die Handelsrechnung hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen dient sie Dir als Kunden als Nachweis, dass die Ware rechtmäßig Dir gehört. Zum anderen nutzt sie der Zoll, um mit dem Warenwert den Zollwert der Waren festzustellen. 

Neben dem genauen Warenwert soll die Handelsrechnung auch eine genaue Beschreibung der Importwaren liefern. Falsche Angaben führen normalerweise zu Verzögerungen im Zoll und das möchtest Du natürlich vermeiden.

Welche Angaben muss eine Handelsrechnung enthalten?

Zusätzlich zu den Bestandteilen einer Inlandsrechnung muss eine Rechnung im Außenhandel weitere Angaben beinhalten:

  • Kennzeichnung als „Handelsrechnung“ bzw. „commercial invoice“

Wichtig: Nie als “proforma invoice” kennzeichnen.

  • Rechnungsnummer und Rechnungsdatum
  • Name und Adresse von Käufer und Verkäufer
  • Bei Export auch die Umsatzsteuer-Id.-Nr. und EORI-Nr. des Verkäufers
  • Verkaufsbedingungen (Incoterms)
  • Detaillierte Warenbeschreibung inklusive Zolltarifnummer und Ursprungs- oder Herstellerland
  • ggf. Präferenznachweise
  • Zeitpunkt der Lieferung
  • Nach Steuersätzen und -befreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt mit Währungsangabe

Chinesische Zolltarifnummer umfassen 8 Ziffern. Jedoch unterliegen nur die ersten sechs Ziffern internationalen Vorgaben. Aus diesem Grund entsprechen Zolltarifnummern aus China meist nicht denen, die für den Import in die EU gelten.

Packliste

Als Importeur bekommst du die Packliste vom Verkäufer der Ware.

Eine Packliste benötigst Du bei jedem Import, auch wenn die Sendung nur aus einem Packstück besteht. In der Packliste muss jedes einzelne Produkt aufgeführt sein. Die Packliste ist also eine detaillierte Aufstellung aller Packstücke. Sie muss dieselben Waren enthalten wie die Rechnung und darf den Angaben in allen weiteren Dokumenten nicht widersprechen. 

Zuerst einmal sollte die Packliste als solche überschrieben sein. Zu den allgemeinen Angaben auf einer Packliste gehören die Details von Absender und Empfänger, also Name, Firmensitz, Telefonnummer. 

Wenn eine Sendung aus mehreren Paketen, Paletten oder Kisten besteht, muss jedes einzelne Packstück nummeriert sein. Diese Nummern gehören dann auch auf die Packliste. Die Liste beinhaltet normalerweise also folgende Informationen über jedes Packstück: Packstücknummer, Art, Inhalt, Gewicht, Abmessungen, Teilenummer, Menge je Teilenummer und sonstige Angaben, wie die Kennzeichnung von Gefahrgut.

Informationen über den Wert der Waren finden sich auf einer Packliste jedoch nicht, weswegen die Liste auch keine Handelsrechnung ersetzen kann. 

Optional für Händler: Notwendige Zertifikate zur Einfuhr von Lebensmitteln oder Holzprodukten

Der grenzüberschreitende Warenverkehr aus einem Nicht-EU-Staat ist grundsätzlich frei. Jedoch dürfen einige Waren nur unter bestimmten Auflagen eingeführt werden. Unter anderem betrifft das die Warengruppen Lebens- und Futtermittel, Ökologischer Landbau, Agrarerzeugnisse, Wein, Textilwaren & Bekleidung. So ist bei der Einfuhr für bestimmte Lebensmittel eine Lizenz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vorzulegen. Für einige Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs verlangt der Zoll für die Einfuhr das sogenannte Gemeinsame Dokument (GDE). Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs ist das Gemeinsame Veterinärdokument für die Einfuhr (GVDE) vorzulegen.

Ein anderer Fall sind Holzprodukte. Um das illegale Abholzen des Regenwaldes zu bekämpfen, ist die Einfuhr bestimmter Holzsorten nur mit einer FLEGT-Genehmigung möglich, die bereits vor der Zollabfertigung bei der BLE vorgelegt werden muss.

Du solltest also vor dem Import die jeweiligen deutschen Vorschriften zu der Warengruppe recherchieren, um zu verhindern, dass Deine Lieferung wegen fehlender Zertifikate nicht am Zoll vorbeikommt.

Alles rund um Zollnummern: Welche für Dich relevant sind

Wenn Du aus China importieren willst, verlässt Du mit Deinem Business die Grenzen der Europäischen Zollunion. Alle Waren, die Du von außerhalb der EU einführst, sind zollpflichtig. Die Höhe des Zolls unterscheidet sich jedoch von Warengruppe zu Warengruppe. Außerdem kann es passieren, dass einige Waren entweder überhaupt nicht oder nur nach Vorlage bestimmter Zertifikate in die EU gebracht werden dürfen. Um nun die einzelnen Vorschriften nachschlagen zu können, ist jeder Ware eine Codenummer zugeordnet: Die Zolltarifnummer.

Bei der deutschen Zollbehörde ist jedoch nicht nur von der Zolltarifnummer die Rede, sondern auch von TARIC, Nomenklatur und HS-Code. Beim Statistischen Bundesamt hingegen gibt es die Warennummer. Du brauchst Dich davon aber nicht verwirren lassen, denn all diese Namen meinen das Gleiche. Hinter jeder dieser Bezeichnungen steckt die gleiche Nummer – nur in verschiedener Länge.

Doch nicht nur Deine Ware, sondern auch Dein Unternehmen braucht für die Zollabwicklung eine eindeutige Codenummer. Diese Codenummer heißt EORI-Nummer.

In diesem Absatz erklären wir Dir folgende Zoll-Begriffe im Einzelnen:

  • Zolltarifnummer
  • Verbindliche Zolltarifnummer
  • HS-Code
  • TARIC
  • EORI-Nummer

Zolltarifnummer

Die Zolltarifnummer dient dazu, eine Ware exakt zu kennzeichnen. Der Fachbegriff dafür heißt „Tarifierung“ oder „Einreihung der Ware in den Zolltarif der Europäischen Union“. Die richtige Tarifierung ist wichtig, weil von ihr sämtliche Anordnungen der Zollstelle abhängen. Dazu zählt beispielsweise die Höhe des Zollsatzes und der Betrag eventuell anfallender Anti-Dumping-Zölle, oder auch die Notwendigkeit, Zertifikate und Ursprungszeugnisse vorzulegen.

Die Zolltarifnummer hat elf Stellen. 

Wozu dient die Zolltarifnummer?

  • um die Ein- und Ausfuhr beim Zoll anzumelden
  • um Export- und Importvorschriften zu ermitteln
  • um die Höhe der Einfuhr- und Ausfuhrabgaben zu berechnen
  • für die Außenhandelsstatistik

Wann brauchst Du eine Zolltarifnummer?

Die Zolltarifnummer (ZTN) ist eine Codenummer. Jede Ware, die die Grenze der EU überschreitet, benötigt solch eine Nummer. Über diesen Schlüssel wird dann im Warenverzeichnis ermittelt, welcher Zollsatz anzuwenden ist und ob bei der Verzollung Genehmigungen bzw. Lizenzen vorzulegen sind. Du musst die Zolltarifnummer bei der Einfuhranmeldung und der Ausfuhranmeldung angeben.

Außerdem hat die ZTN einen ganz praktischen Nutzen für Dich: Natürlich möchtest Du vermeiden, dass der Zoll die Einfuhr verweigert oder Du plötzlich einen Zollsatz zu zahlen hast, der den Preis Deiner Waren verdoppelt. All diese Informationen kannst Du anhand der Zolltarifnummer recherchieren.

Wo kannst Du Deine Zolltarifnummer erhalten?

Informationen zu unverbindlichen wie auch verbindlichen Auskünften zu den Zolltarifnummern findest Du auf der Internetseite des Zolls. Oder Du bestellst Dir beim Deutschen Statistischen Bundesamt  das Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik (die Bestellung geht auch über den Buchhandel). Allerdings ist das Buch sehr umfangreich und ändert sich jedes Jahr.

Wichtig: Bitte beachte, dass sich Zolltarifnummern in regelmäßigen Abständen ändern können.

Verbindliche Zolltarifnummer

Die Tarifierung von Waren ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da das Warenverzeichnis sehr abstrakt ist und sich eine Zuordnung nicht immer leicht ableiten lässt. Schwierigkeiten bereitet insbesondere die Einordnung von Mischungen, Verpackungen oder unfertigen Waren. Mehrere Nummern können in diesem Fall in Frage kommen, oder es kann Dir passieren, dass eine Einreihung nur nach einer ähnlichen Ware möglich ist. 

In solchen Fällen empfehlen wir Dir, beim Zoll eine verbindliche Auskunft über die zolltarifliche Einreihung Deiner Ware zu beantragen (vZTA). Diese Einreihung ist für die gesamte EU rechtsverbindlich und bleibt drei Jahre lang gültig. Neben der Rechtssicherheit bietet Dir die vZTA-Entscheidung auch noch andere Vorteile. So hat der Zoll ein größeres Vertrauen Dir gegenüber und kontrolliert Deine Ware seltener, wodurch Du Zeit und Geld sparst, da Zollprüfungen meist teuer und zeitaufwendig sind. Zudem wird durch die verbindliche Einreihung festgelegt, welcher Zollsatz anzuwenden ist. Die vZTA-Festlegung gilt jedoch nicht für die Höhe des Zollsatzes. Dieser kann sich nach Verhandlungen der Welthandelsorganisation WTO ändern.

Zur Erinnerung: Der Zollsatz ist in der Regel eine Prozentzahl, mit der Du die Höhe der Zollgebühren berechnest. Du kannst den Zollsatz Deiner Waren mit Hilfe der Zolltarifnummer auf der Internetseite des elektronischen Zolltarifes EZT abfragen.

Dauer und Kosten

Laut Auskunft des Zolls soll die vZTA umgehend erteilt werden. Sind Verzögerungen von mehr als 120 Tagen zu erwarten, wirst Du benachrichtigt. In der Praxis heißt das also, dass es bis zu 120 Tage dauern kann, bevor Du die Entscheidung bekommst. Grundsätzlich ist die verbindliche Zolltarifauskunft kostenfrei. Entstehen den Zollbehörden für die Auskunftserteilung jedoch Kosten, beispielsweise für Gutachten oder Analysen, dann können Dir diese Kosten in Rechnung gestellt werden. 

Was ist der HS-Code?

Die Stellen 1-6 der Zolltarifnummer beinhalten den HS-Code, auch Customs Tariff Number genannt.

HS steht für Harmonized System. Das „harmonisierte System” gilt weltweit. Mit dem sechsstelligen HS-Code lässt sich zudem herausfinden, welche Zölle in Nicht-EU-Ländern erhoben werden. 

Um den HS-Code zu ermitteln, gräbst Du Dich entweder durch die englisch- bzw. französischsprachigen Webseiten der Weltzollorganisation (World Customs Organization WCO) und landest schließlich bei der kostenpflichtigen HS-Datenbank. Oder Du recherchierst kostenlos die deutsche Zolltarifnummer. Davon nimmst Du die ersten sechs Stellen und voilà, das ist der HS-Code.

Wenn Du mehr über den HS Code lesen willst, dann empfehlen wir Dir dieses englischsprachige Video.

Worum geht es bei TARIC?

Der TARIC (Tarif Intégré des Communautés Européennes) ist der gemeinsame Zolltarif der Europäischen Union. Er entspricht den Stellen 1-10 der Zolltarifnummer. Mit ihm lassen sich die Bestimmungen und Zollsätze für die Ein- und Ausfuhr von Waren in die Europäische Union ermitteln. 

Informationen über deutsche Einfuhrumsatzsteuern, Verbrauchsteuern oder erforderliche Ursprungszeugnisse liefert der TARIC jedoch nicht. 

Was ist eine EORI-Nummer? 

Mit der EORI-Nummer („Economic Operators Registration and Identification Number“) identifizierst Du Dein Unternehmen gegenüber den Zollbehörden. Die Zollbeamten können die Waren so Deiner Firma zuordnen. Sie ist sozusagen Deine Kundennummer beim Zoll.

Wenn Du nicht mehr als Privatperson, sondern als Unternehmen zählst, hast Du die Pflicht, eine EORI-Nummer anzugeben. Du überschreitest die offizielle Grenze von einer Privatperson zum Wirtschaftsbeteiligten, wenn Du pro Jahr zehn oder mehr Zollanmeldungen abgibst.

Wo erhältst Du die EORI-Nummer?

Du erhältst die EORI-Nummer von der Generalzolldirektion in Dresden. Du kannst sie dort auch online beantragen. Das Ganze ist für Dich kostenlos. 

Auf der Website des Zolls erhältst Du alle Details, wie die Kontaktdaten der Generalzolldirektion Dresden oder auch eine Beschreibung des Antragsverfahrens. Das Ganze läuft so ab, dass Du ein spezielles Formular auszufüllen hast und dieses zusammen mit einer aktuellen Kopie Deines Handelsregisterauszuges oder Deiner Gewerbeanmeldung an die Generalzolldirektion schickst. Das ist per E-Mail, Fax oder Brief möglich.

Fazit

Wir hoffen, dass wir alle Deine Fragen zur Verzollung beantworten konnten. Wie Du festgestellt hast, musst Du Dich an eine Reihe von Vorschriften halten, damit es bei der Verzollung nicht zu Verzögerungen oder unerwarteten Nachzahlungen kommt. Um Dich in die Thematik einzuarbeiten, brauchst Du kein Profi sein. Jedoch ist das Gebiet sehr komplex und Du wirst Zeit investieren müssen. 

Vor allem aber können die Formalitäten rund um das Zollverfahren nicht auf die Schnelle erledigt werden. Es macht also Sinn, die Zollabfertigung dem Spediteur zu überlassen, damit Du Dich in Ruhe auf Dein Kerngeschäft konzentrieren kannst.

Wenn Du weitere Fragen zum Import aus China oder zum Import allgemein hast, dann kontaktiere uns gerne, damit Dich unsere Zoll-Profis beraten können.

PS: Für die, die es ganz genau wissen wollen – Relevante Gesetze und Vorschriften

  • Außenwirtschaftsgesetz AWG
  • Außenwirtschaftsverordnung AWV
  • Außenhandelsstatistikgesetz AHStatG
  • Abgabenordnung AO
  • Steuerrecht
  • Zollkodex (Verordnung EU Nr. 952/2013)

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