Demurrage Fees – 10 Tips zur Vermeidung von Liegegeldern

22 Aug 2017 3 min Lesezeit
Michael Ardelt Michael Ardelt

Verzögerungen sind beim Frachttransport an der Tagesordnung, was dazu führt dass dem Kunden eine Vielzahl von zusätzlichen Kosten entstehen können, die nicht einkalkuliert waren. Ein solcher Aufpreis ist der Demurrage Aufschlag, oder zu Deutsch das Liegegeld.

Das Liegegeld ist eine Gebühr, die die Reederei dem Importeur in den Fällen berechnet wird, in denen er den vollen Container nicht entgegengenommen und aus dem Hafen-/Terminalbereich zum Auspacken innerhalb der erlaubten freien Tage gebracht hat.

Die Höhe des Liegegelds kann von Land zu Land und je nach Anbieter variieren. Um die Sache noch komplizierter zu machen, werden die Gebühren pro Container sowie pro Tag nach einer festgelegten freien Zeit, die von Reeder zu Reeder unterschiedlich ist, erhoben.

Liegegeld kann aus verschiedenen Gründen verursacht werden:

  • Der Empfänger hat die Dokumente nicht rechtzeitig zur Verzollung erhalten.
  • Die beim Empfänger eingehenden Unterlagen sind unrichtig oder unzureichend.
  • Der Container wurde von Kunden, der Polizei oder anderen Behörden zur Überprüfung der Ladung angehalten, was länger als erwartet dauern kann.
  • Der Empfänger wusste nichts von der Ankunft der Ladung und war nicht in der Lage, die Zollabfertigung rechtzeitig durchzuführen.
  • Der Empfänger verfügt nicht über die finanziellen Mittel, um den Container rechtzeitig zu räumen.
  • Streitigkeiten zwischen Absender und Empfänger
  • Die empfangene Ladung entspricht nicht dem Kundenauftrag.

Auch wenn diese Gründe nicht unbedingt vom Empfänger zu verantworten sind, so obliegt es doch in der Regel ihm, die Kosten für Liegegelder zu tragen.

Demurrage Fees sind vermeidbare Kosten und können in einigen Fällen höher sein als der Warenwert, was dazu führen kann, dass sich der Empfänger gezwungen sieht, seine Ladung aufzugeben.

Als einfaches Beispiel sei hier ein Kunde genannt, der 10×40′ Container mit Möbeln importiert, dessen Lieferung am Löschhafen jedoch nicht abgewickelt werden kann, da Dokumente fehlen.

Nehmen wir an, die Liegegebühr der Reederei beträgt USD 120/40’/Tag für die ersten 10 Tage nach Ablauf der freien Tage.

Stehen diese Container für einen Zeitraum von etwa 7 Tagen nach Ablauf der freien Tage, so entsteht für diese 10×40′ ein Liegegeld von US$ 120 x 10 x 7 = US$ 8400 nur Aufgrund der fehlenden Dokumente.

10 Tipps zur Vermeidung von Liegegeldern

Um solche Kosten zu umgehen, finden Sie hier zehn Tipps zur Vermeidung von Liegegeldern und Demurrage Fees:

  1. Wenn Sie ein Erstimporteur sind, machen Sie sich ausführlich mit allen Anforderungen und Bedingungen zur Einfuhr vertraut.
  2. Identifizieren Sie, ob es besondere Anforderungen für die Einfuhr Ihrer Ladung gibt, die von den Zollbehörden oder anderen Behörden festgehalten werden können.
  3. Wenn Sie festgestellt haben, dass Ihre Ladung einige spezielle Genehmigungen benötigt (wie Lebensmittel, Tierprodukte usw.), dann überlegen Sie, ob Sie die Reederei und/oder den Verlader auffordern, zusätzliche freie Tage zu vereinbaren, um dieser möglichen Verzögerung Rechnung zu tragen.
  4. Stellen Sie sicher, dass Sie das Produkt gesehen haben, das Sie kaufen, damit Sie kein Problem haben, wenn es ankommt und es nicht Ihren Erwartungen entspricht.
  5. Stellen Sie sicher, dass Sie mit Ihrem Versender und der Reederei regelmäßig und klar über den Status der Versandpapiere bzw. der Sendung kommunizieren. Reedereien übernehmen im Allgemeinen keine Haftung für die Nichtmitteilung der Ankunft Ihrer Ladung.
  6. Wenn Ihre Sendung unter einem Akkreditiv steht, ist es zwingend erforderlich, dass die Zeit, die für die Kommunikation mit den Banken und die Freigabe von Dokumenten benötigt wird, berücksichtigt wird.
  7. Wenn Sie keine Original Bill of Lading benötigen, sollten Sie den Versender bitten, anstelle eines Original-Frachtbriefs eine Express-Freigabe zu verwenden, um Verzögerungen beim Warten auf ein Original-Frachtbrief zu vermeiden.
  8. Wenn der Verlader auf eine Original Bill of Lading besteht, um seine Zahlung zu sichern, dann, sobald er bezahlt ist, vereinbaren Sie mit ihm eine Telex-Freigabe, um Verzögerungen beim Warten auf ein Original Konnossement zu vermeiden.
  9. Teilen Sie Fracht- und Sendungsauslieferungsanweisungen mit allen Beteiligten, einschließlich dem Spediteur, den Verkäufern und Drittanbietern im Voraus, um einen reibungslosen Be- und Entladeprozess zu gewährleisten und Verzögerungen zu vermeiden.
  10. Nutzen Sie die Dienste eines professionellen Spediteurs, der die Sendung für Sie im Auge behalten und sicherstellen kann, dass Ihre Ladung ohne zusätzliche Kosten, insbesondere Liegegeld, rechtzeitig ankommt.

Wie bereits erwähnt, ist eine gute Planung wichtig. Während die Reederei bei verspäteter Containerabfertigung und -rückgabe Liegegeld erhebt, werden die Häfen und Terminals dem Kunden zudem auch die Hafengebühren in Rechnung stellen.

Abhängig von den jeweiligen Bedingugen kommt es hier auch auf die Wahl des Hafens und die zu verwendende Route an. So können z.B. bestimmte Binnenstandorte in Europa über den Hamburger oder Rotterdamer Hafen erreicht werden.

Betrachtet man jedoch die Hafenlagerung, könnte die Anfahrt nach Rotterdam für einige Kunden eine bessere Alternative sein als Hamburg. So ist die Hamburger Hafenbehörde sehr strikt, wenn es darum geht, auch nur drei Tage in freie Lagerung zuzulassen, während die Behörden in Rotterdam häufig bereit sind zu verhandeln; zudem liegt die Dauer für freie Lagerung hier selten unter fünf Tagen.

Fazit: Demurrage Fees

Die gesamten Transportkosten für eine Verschiffungen setzen sich in der Regel aus vielen verschiedenen Positionen zusammen, so dass es schnell möglich ist, den Überblick zu verlieren.

Neben den unterschiedlichen Kosten, die neben der Rate für den Haupttransportweg auf Sie hinzukommen, sollten Sie auch über mögliche Kosten wie für Liegegelder und Lagerung informieren, auch wenn diese in manchen Fällen nicht sofort ersichtlich sind, um diese zusätzlichen Gebühren nach Möglichkeit zu vermeiden.

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22 Aug 2017 3 min Lesezeit
Michael Ardelt

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