Auswirkungen des Coronavirus auf globale Lieferketten

30 Jan 2020 6 min Lesezeit
Michael Ardelt Michael Ardelt

[Letzte Aktualisierung 15:32 Uhr, 1.02.2020]

Die Ausbreitung des Coronavirus sowie die daraus resultierende Verlängerung der Neujahrsfeiertage in China bis mindestens zum 9. Februar 2020 werfen die Frage nach den Auswirkungen auf die globalen Logistikprozesse und den Welthandel auf.  Zur Klärung bestehender Fragen haben wir uns an Spezialisten auf dem Gebiet der Dekontamination gewandt. Um Sie bestmöglich über die allgemeine Lage des Virus zu informieren und Sie über Warnhinweise und Handlungsmöglichkeiten zu unterrichten, werden die Informationen auf dieser Seite stetig aktualisiert.

Was ist der Coronavirus?

Am 31. Dezember 2019 wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehrere Fälle von Lungenentzündung in der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei in China, gemeldet. Das Virus stimmte mit keinem anderen bekannten Viren überein. Die unbekannten Auswirkungen auf den Menschen gaben Anlass zur Sorge.

Eine Woche später, am 7. Januar 2020, bestätigten die chinesischen Behörden die Identifizierung des neuen Virus. Es handelt sich dabei um den sogenannten Coronavirus, der zu der Familie von Viren zählt, zu denen auch Erkältungs- und Infektionskrankheiten wie SARS und MERS gehören. Der neue Virus wurde vorübergehend als „2019-nCoV“ bezeichnet. Coronaviren sind eine Gruppe von Viren, die bei Säugetieren und Vögeln Krankheiten hervorrufen. Beim Menschen verursacht das Virus Infektionen der Atemwege sowie typische Erkältungssymptome, die typischerweise harmlos verlaufen. Seltene Formen des Virus, wie SARS und MERS, können jedoch tödlich verlaufen. Bisher existieren noch keine Impfstoffe oder antiviralen Medikamente, die zur Vorbeugung oder Behandlung zugelassen sind.

Ist das Coronavirus gefährlich?

Coronaviren (CoV) zählen zu einer großen Familie von Viren, deren Auswirkungen von üblichen Erkältungen bis hin zu schwereren Krankheiten wie dem MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome) und dem SARS-CoV (Severe Acute Respiratory Syndrome) reichen können. Bei dem neuartigen Coronavirus (nCoV) handelt es sich um einen neuen Virenstamm, der bisher bei Menschen unbekannt war.

Häufige Anzeichen einer Infektion sind Atemwegserkrankungen, Fieber, Husten, Atemnot und Atembeschwerden. In besonders schweren Fällen kann eine Infektion eine Lungenentzündung, ein schweres akutes respiratorisches Syndrom und Nierenversagen verursachen, dessen Ausgang tödlich sein kann.

Zur Verhinderung der Ausbreitung der Infektion, wird empfohlen, die Hände regelmäßig zu waschen, Mund und Nase beim Husten und Niesen abzudecken sowie Fleisch und Eier vor dem Verzehr gründlich zu erhitzen. Vermeiden Sie engen Kontakt mit Personen, die Symptome von Atemwegserkrankungen wie Husten und Niesen aufweisen. Bitte wenden Sie sich an einen Arzt, sobald Sie selbst eines dieser Anzeichen bemerken.

Wie gut ist FreightHub auf den Umgang mit dem Coronavirus vorbereitet?

Wir haben intern eine eigens geschaffene  Corona-Initiative in Asien und Europa ins Leben gerufen, um die Situation genau zu überwachen und schnell und angemessen auf etwaige Entwicklungen reagieren zu können. Aktuell befinden sich rund 50 unserer rund 250 Mitarbeiter direkt vor Ort in Asien. Unsere Hauptpriorität ist es, die Gesundheit und Sicherheit all unserer Mitarbeiter zu gewährleisten. In diesem Sinne setzen wir unter anderem auf vermehrte Arbeit von Zuhause aus.  Darüber hinaus stehen wir in ständiger Kommunikation mit unseren Partnern, um die Auswirkungen auf die Sendungen unserer Kunden so gering wie möglich zu halten.

Welche Standards setzen Sie bei dem Versand von Containern von und nach China?

Wir befolgen die Richtlinien der chinesischen Regierung und der Weltgesundheitsorganisation. Bisher wurden keine Einschränkungen für den Versand von Containern nach und von China angekündigt. Unsere spezialisierte FreightHub-Initiative steht in ständigem Kontakt mit unseren Partnern und Regierungsbeamten und wird schnell und angemessen handeln, wenn Änderungen der Transportstandards festgelegt werden.

Was sind die wichtigsten Auswirkungen auf Ihre Lieferkette?

Aufgrund des Ausbruchs des Corona Virus in China und der Auswirkungen auf die Transporte von Waren in, aus und nach China liegt ein Ereignis höherer Gewalt vor. Die Unternehmen in China bleiben gemäß den Anweisungen durch die chinesische Regierung noch bis zum 10. Februar 2020 geschlossen. Die Schließung der Unternehmen in der Provinz Hubei wird vermutlich bis mindestens 14. Februar 2020 andauern, für die Provinz Zhejiang mit dem Knotenpunkt Wenzhou gilt als Stichtag für die Wiederaufnahme des Betriebs aktuell der 19. Februar 2020. Wir halten uns an diese Richtlinien und sorgen gleichzeitig für die Aufrechterhaltung der lokalen Geschäftstätigkeiten ab dem 3. Februar 2020 dank der Unterstützung einiger unserer Mitarbeiter. 

Am 10. Februar 2020, kehrten die ersten Arbeiter von den verlängerten chinesischen Neujahrsfeiertagen offiziell zurück. Die Fabriken sollen die Produktion wieder aufnehmen. Es gibt jedoch Bedenken, dass bei den provinzübergreifenden Reisebeschränkungen, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, die nicht ortsansässigen Arbeiter nicht rechtzeitig in die Fabriken zurückkehren können. Durch die große Anzahl nicht versendeter Container, die nach der Wiedereröffnung des lokalen Geschäfts am 10. Februar 2020 abgefertigt und transportiert werden müssen, rechnen wir bei einigen Sendungen mit Lieferverzögerungen. Wir setzen jedoch alles daran, dass die Güter soweit als möglich ordnungsgemäß ausgeliefert werden können. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation in China in den nächsten Wochen verbessern wird, allerdings rechnen wir damit, dass der Geschäftsbetrieb erst im April komplett zur Normalität zurückkehrt.

Wird Ihre Fracht China planmäßig verlassen? 

Wenn Ihre Container durch den Zoll bereits abgefertigt wurden, werden sie China wie geplant verlassen. Alle Container, die ursprünglich zwischen dem 3. und dem 9. Februar 2020 abgefertigt werden sollten, werden sich wahrscheinlich, aufgrund der Verlängerung der Neujahrsfeiertage durch die chinesische Regierung, verzögern. Wir erwarten ein hohes Containeraufkommen, seid die lokalen Unternehmen ihre Arbeit am 10. Februar 2020 wieder aufgenommen haben. Unser Team beobachtet die Situation sehr genau und wird betroffene Kunden proaktiv benachrichtigen.

Wie steht es um die Seefracht aus China?

Wir haben bislang die Information erhalten, dass lediglich der Flughafen Whuhan eingeschränkt operiert. Alle anderen Seehäfen haben den Betrieb am 10. Februar 2020 wieder aufgenommen. Bitte beachten Sie, dass nicht ausgelastete Container zusätzliche “Blank Sailings” verursachen. Wir erwarten einen Anstieg der Raten, da die Fracht diese Woche wieder in den Häfen eintrifft. Auf der Asien-Europa-Handelsroute haben die Reedereien zehn weitere“Blank Sailings” angekündigt. Wegen des Coronavirus stieg die Anzahl der “Blank Sailings” auf der Handelsroute Nordeuropa und Mittelmeer zuletzt auf insgesamt 54 an. Dies entspricht einer Reduzierung der Transportkapazitäten von 50% im Februar auf der Seefracht-Route Asien–Europa. Wenn Ihre Ladung dringend ist und pünktlich abfahren muss, sollten Sie MaerskSpot-Raten in Betracht ziehen. Die Tarife sind über die FreightHub-Plattform erhältlich.

Was passiert, wenn der Zielhafen das Einlaufen des Schiffes nicht zulässt?

Lieferungen aus China werden an ausländischen Häfen weiterhin angenommen. Für die Kontaminationsverfahren von Behältern bestehen noch keine besonderen Vorschriften. Einige Häfen haben jedoch Gesundheitskontrollen für aus China ankommende Besatzungsmitglieder eingeführt. Unser Team verfolgt die Situation sehr genau und benachrichtigt Kunden proaktiv, sobald uns neue Informationen vorliegen.

Wie steht es um die Luftfracht aus China?

Sie können von Seefracht auf Luftfracht umsteigen, sofern Ihre Fracht noch nicht im Hafenbereich zwischengelagert ist, durch den Zoll abgefertigt oder bereits auf dem Schiff verladen wurde. Beachten Sie bitte, dass mehrere Fluggesellschaften den Flugbetrieb von und zu chinesischen Flughäfen gestrichen oder eingestellt haben. Aus diesem Grund haben wir unser weitläufiges Partnernetzwerk genutzt, um für Sie Luftfrachtkapazitäten für die kommenden zwei Wochen zu sichern. Sie können dieses direkt über die FreightHub Plattform buchen. Da zurzeit nur eingeschränkte Handelsrouten zur Verfügung stehen, ist das Angebot ausschließlich auf der Strecke Shanghai – Frankfurt verfügbar und beinhaltet keine Vorlaufoptionen. Es ist davon auszugehen, dass die Luftfrachtraten aus China um 300-400% sprunghaft ansteigen könnten, da etwa 50 % des Luftfrachtvolumens storniert wurden und weitere Fluggesellschaften Stornierungen angekündigt haben. Wir gehen davon aus, dass die Luftfracht als letzte Transportoption zur Normalität zurückkehren wird, da viele Fluggesellschaften bis weit in den März hinein ihre Flüge storniert haben. 

Wie steht es um die Bahnfracht aus China?

Der Schienengüterverkehr nimmt diese Woche für den größten Teil des chinesischen Festlands langsam wieder zu, mit Ausnahme von Wuhan und Zhengzhou, wo der Verkehr bis Ende Februar ausgesetzt wurde. Viele Bahnhöfe werden jedoch nur begrenztes Personal zur Verfügung haben. Einige der Arbeiter kommen von Außerhalb, was entweder eine 14-tägige Quarantäne oder gar kein Erscheinen bedeutet. Da die Kapazitäten im Bahnverkehr zurzeit jedoch beschränkt sind, bitten wir Sie sich bei Interesse zeitnah mit Ihrem zuständigen FreightHub-Ansprechpartner in Verbindung zu setzen.

Wie steht es um lokale Transporte in China?

Die meisten lokalen Provinz- oder Stadtverwaltungen haben Beschränkungen erlassen, die den freien Gütertransport einschränken: Autobahnausfahrten werden blockiert und alle Lastwagen, die versuchen, in die lokalen Stadtgebiete einzufahren, werden kontrolliert; auch innerhalb der Verwaltungsregionen sind Kontrollpunkte eingerichtet und einige Straßen sind für den freien Verkehr gesperrt. Viele lokale Behörden erlassen täglich neue Beschränkungen, welche von den landesweiten Vorgaben abweichen. Die Situation ist nicht klar strukturiert und wird weiterhin die Lieferung von Gütern aus den Fabriken in die Häfen behindern. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Lieferanten, um den Transport vor Ort zu arrangieren, oder wenden Sie sich an Ihren FreightHub-Kundenbetreuer, um die für Ihre Route verfügbaren Transportoptionen zu besprechen.

Empfehlungen von FreightHub

  • Wir empfehlen, dass Sie Priorisierungen Ihrer Fracht vornehmen und mögliche Optionen mit Ihrem zuständigen FreightHub-Ansprechpartner besprechen.
  • Aufgrund der aktuellen Situation raten wir Ihnen, alle anstehenden Buchungen möglichst frühzeitig zu platzieren, sobald das Cargo Ready Date bekannt ist. Nur so können wir sicherstellen, dass Ihre Sendung frühestmöglich bewegt wird. Es ist jedoch weiterhin mit Verzögerungen zu rechnen.
  • Die größte Herausforderung ist aktuell der “Vorlauf” in China. Wir nehmen an, dass die Trucking Kapazitäten aktuell auf <10-20% gesunken sind. Wir empfehlen daher sich frühestmöglich mit Ihrem Shipper vor Ort in China abzustimmen, um die Ware über einen lokalen Partner an einen See- bzw. Flughafen zu bringen (idealerweise FOB Incoterm).
  • Einen Wechsel von See- auf Luftfracht empfehlen wir für dringende Sendungen. Hier ist jedoch mit eingeschränkten Kapazitäten und erhöhten Raten zu rechnen.

Weitere Informationen

Sollten Sie weitere Fragen zum Coronavirus, Ihren aktuellen Transportaufträgen bei FreightHub oder verfügbaren Transportmöglichkeiten von oder nach Asien haben, werden Sie sich bitte

  • an Ihren persönlichen Account oder Operations Manager bei FreightHub,
  • unter der Telefonnummer +49(0)30-56 79 58 18 oder
  • unter der E-Mail-Adresse [email protected].

Bitte achten Sie auf Ihre Gesundheit und bringen Sie sich nicht in unnötige Gefahr. 

Bildquelle: Photo by DSD from Pexels

Wöchentliche Neuigkeiten aus der Branche

30 Jan 2020 6 min Lesezeit
Michael Ardelt

Michael Ardelt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.